KI Lunch & Learn: Das Ticket holt sich den Agenten
Fünf Themen beim KI Lunch & Learn bei NETNODE, und auffällig viel Eigenbau: ein Kanban-Board, das pro Ticket eine Claude-Session in einem eigenen git worktree startet, eine Control Plane für Coding-Agenten mit Mobile App, selbstgebaute Terminal-Werkzeuge, Obsidian als Recherche-Gedächtnis und ganze Songs aus Gemini.

Und wieder heisst es KI Lunch & Learn bei NETNODE. Jeden Mittwoch zeigt, wer in der Woche etwas ausprobiert hat, was funktioniert hat und was nicht. Geplant ist nichts davon, alles kommt direkt aus der Projektarbeit. Auffällig diesmal: Fast alles war Eigenbau. Nicht neue Modelle, sondern die Werkzeuge drumherum.
Inhalt
- Nejc: Das Ticket holt sich den Agenten
- Yannick: Coding-Agenten vom Sofa
- Stefan: Zurück zum eingebauten Terminal
- Sandro: Obsidian als zweites Gedächtnis
- Tobi: Gemini schreibt jetzt ganze Songs
- Fazit
- Referenzen
Nejc: Das Ticket holt sich den Agenten
Nejc hat sich sein eigenes Board gebaut: eine kleine Anwendung in Go mit htmx, die lokal läuft. Sie zieht die Tickets aus my.netnode.ch in eine lokale SQL-Datenbank und zeigt sie als Kanban-Board.
Der Kern: Zieht er eine Karte auf "in Arbeit", startet im Hintergrund eine Claude-Session mit dem vollen Ticket-Kontext, in einem eigenen git worktree pro Ticket. Die Session ist bewusst zusammengeschnitten, der Code-Teil bleibt ausgeblendet. Rückfragen landen in einer Spalte "Needs you", dort steuert er nur noch das, was wirklich eine Entscheidung braucht. Kleinere Dinge wie interne Kommentare schreibt der Agent selbst, ohne Rückfrage.
Dazu drei Ansichten pro Ticket. Changes visualisiert, was der Agent geändert hat. Bei einem Drupal-Update liess sich so direkt ablesen, welche Abhängigkeit warum mitgezogen wurde. Test fährt die Dev-Umgebung mit dem Stand aus dem worktree hoch, mit konkreten Schritten zum Prüfen. Review lässt ein KI-Review und die Code-Sniffer laufen.
Alle paar Minuten synchronisiert sich das Board zurück: Hat sich das Ticket geändert oder liegt es nicht mehr bei ihm, wandert es ins Archiv. Status und Fortschritt gehen in die Gegenrichtung nach my.netnode.ch zurück.
Ob worktree oder Branch, war dann die Diskussion im Team. Technisch das Gleiche, am Ende steht ein Merge. Der Unterschied ist die Isolation: Ein worktree pro Ticket heisst, mehrere Agenten können parallel arbeiten, ohne sich im Weg zu stehen, und jeder Stand lässt sich einzeln hochfahren und testen.
Der Punkt dahinter: Der Agent startet dort, wo die Arbeit ohnehin liegt. Kein offenes Terminal mehr.
Yannick: Coding-Agenten vom Sofa
Yannick hat Paseo getestet, nach eigener Beschreibung eine "Control Plane für Coding-Agenten": eine Schicht über den Agenten statt eines eigenen Agenten. Verschiedene Agenten unter einer Oberfläche, mit Workspaces und Projekten, eher wie eine native App als wie ein Terminal.
Der eigentliche Grund für den Versuch war die mobile App. Code-Review unterwegs, Kommentare direkt in den Diff, Screenshot aus dem eingebauten Browser zurück an den Agenten. Die Verbindung zum Arbeitsrechner läuft über einen eigenen Relay-Dienst oder über Tailscale, damit lässt sich vom Laptop aus an der Session weiterarbeiten, die auf dem Desktop gestartet wurde. Dazu Plugins, etwa ein Git-Graph wie in VS Code.
Das ist die Fortsetzung von letztem Mal: Im September hatte Yannick Herdr mit einem Mobile-Relay-Plugin vorgestellt, über das Terminal verbunden. Auf dem Handy war das keine Freude, deshalb der Wechsel. Gefunden hat er Paseo auf Reddit, nicht in einer Produktankündigung.
Stefan: Zurück zum eingebauten Terminal
Nach Monaten Hin und Her zwischen Terminal-Emulatoren ist Stefan wieder beim macOS-Terminal angekommen, unter anderem weil Links auf localhost dort einfach im Browser aufgehen.
Sein Aufbau: ein Fenster pro Projekt, darin zwei Tabs, einer für den Dev-Server, einer für den Agenten. Was fehlte, war das Umschalten zwischen den Projekten, über das Fenster-Menü ist das mühsam. Also hat er sich dafür eine kleine App für die Menüleiste geschrieben, Halbmond-Animation inklusive.
Zweiter Fund aus derselben Woche: Claude Code kann eine eigene Statuszeile anzeigen, so wie andere Tools das schon tun. Ein Eintrag in der settings.json, ein Shell-Script dahinter, und unten stehen das gewählte Modell, der Branch und ein kurzer Git-Status. Das Script hat er sich von Claude selbst schreiben lassen. Oder einfach via /statusline anpassen lassen.
Sandro: Obsidian als zweites Gedächtnis
Sandro recherchiert seit Monaten mit einer Kombination aus Obsidian und einem Agenten. Markdown-Dateien, die der Agent selbst anlegt, verknüpft und bei neuen Fragen wieder findet. Der Graph daneben zeigt, wie die Themen zusammenhängen.
Sandro verarbeitet so, seine ganz konkreten Fragen aus dem Leben: Vorsorge, Steuern, Projekte.
Entscheidend ist dabei nicht das Modell, sondern dass es die relevanten Notizen überhaupt wiederfindet. Für Recherche über längere Zeit funktioniert das gut, für andere Zwecke hat Sandro bisher keinen Anwendungsfall gefunden.
Tobi: Gemini schreibt jetzt ganze Songs
Keine 30-Sekunden-Vorschau mehr, sondern ein kompletter Track. Tobi hat das gleich am Lunch and Learn selbst ausprobiert, in drei Varianten: Hip-Hop, Metal und eine Version auf Schweizerdeutsch. Vorgespielt wurden alle drei.
Fazit
Interessant an diesem Lunch & Learn: Niemand hat ein neues Modell vorgestellt. Gezeigt wurde, was drumherum entsteht, und vieles davon selbst gebaut. Ein Board, das Agenten startet. Eine Menüleisten-App für vier Terminal-Fenster. Eine Notiz-Sammlung als Recherche-Gedächtnis. Lauter kleine Dinge, für die vor zwei Jahren niemand ein Projekt aufgesetzt hätte.
Wie immer super Austausch.
Referenzen
Lassen Sie uns darüber sprechen
Sie möchten wissen, wie KI-Agenten in Ihrem Team sinnvoll zum Einsatz kommen? Wir beraten Sie gerne. Das erste Gespräch ist immer kostenlos.
Blog ·
Später lesen
Keine Zeit? Senden Sie sich den Artikel an die eigene Inbox.
