KI Lunch & Learn: Sechs Werkzeuge und ein Fernseher
Sieben Sachen aus dem KI Lunch & Learn bei NETNODE. Gebaut hat diesmal niemand an einem Modell, sondern an dem, was drumherum steht: an Zugängen, Anzeigen, Abkürzungen. Und an einem Fernseher.

45 Minuten, jeden Mittwoch, und nichts davon ist vorbereitet: Wer in der Woche etwas ausprobiert hat, zeigt es. Diesmal sieben Beiträge, und an keinem Modell hat jemand geschraubt. Gebaut wurde an dem, was drumherum steht.
Inhalt
- Stefan: Claude redet mit einer Mac-App über AppleScript
- Stefan: Der Agent schreibt nicht mehr ins Ticket
- Tobi: Der Agent fragt in Slack nach
- Michi: Wie viele Tokens sind noch da
- Sandro: Cloudflares Security-Skill, in einen Workflow gewickelt
- Yannick: Agenten, die einen Neustart überleben
- Nejc: Der Fernseher, der plötzlich schnell war
- Fazit
- Referenzen
Stefan: Claude redet mit einer Mac-App über AppleScript
Stefan Pauwels verwaltet seine Magic-Sammlung in einer eigenen Mac-App. Ein Deck aus allen Karten, die es gibt, baut jedes Modell. Nur hat niemand alle Karten, und die eigenen liegen in der App, hinter Core Data und ein paar Schichten, an denen ein Agent scheitert, wenn er direkt in die Datenbank greift.
Claudes Vorschlag war eine Schnittstelle, die Stefan von Hand nie eingebaut hätte: ein AppleScript-Layer. Sammlung exportieren, Deck bauen, über dieselbe Schicht zurückschreiben, und darüber ein Skill, damit niemand über AppleScript nachdenken muss. Der Export enthält den vollständigen Regeltext jeder Karte. Das Modell muss die Karten also nicht kennen, es liest, was sie tun, und findet daraus Synergien. In den Kopf des Decks schreibt es noch eine Anleitung, wie man es spielt.
Stefan: Der Agent schreibt nicht mehr ins Ticket
Dazu hat Stefan die neue Version des Dev-Workers mitgebracht, mit dem wir Roadmap-Items in my.netnode.ch bearbeiten. Der Agent braucht Kontext, viel davon und strukturiert, und bisher landete das in der Beschreibung des Roadmap-Items. Für Menschen war das Ticket danach kaum lesbar. Der erste Versuch, den Kontext als Kommentar nach unten zu schieben, machte das Ticket lesbar und die Kommentarspalte unlesbar.
Jetzt sind die Agent Runs eine eigene Sache: Jeder Lauf liegt im Backend als Datenblock und bleibt für den nächsten verfügbar. Im Ticket stehen nur noch Zusammenfassung, Aufgaben und offene Fragen. Letztere sind der offene Punkt. Wenn der Agent nach dem Solutioneering zehn Fragen stellt, gibt es heute keinen Ort, an dem man sie beantwortet. Die Idee aus der Runde: ein Textfeld unter jeder Frage.
Tobi: Der Agent fragt in Slack nach
Dieselbe Frage, von der anderen Seite. Für die Team-Seiten auf netnode.ch hat Tobias die Texte entwerfen lassen und stand dann vor der Frage, wie das Feedback der Betroffenen zurückkommt.
Die Antwort war der Slack-Connector. Claude hat den Leuten die Entwürfe als Direktnachricht geschickt, sich selbst einen Reminder gesetzt, Stunden später nachgesehen, ob eine Antwort da ist, und sie eingearbeitet. Ein Agent mit einer kleinen, aber entscheidenden Rückfrage muss nicht warten, bis jemand ins Ticket schaut.
Michi: Wie viele Tokens sind noch da
Michi Mauch hat sich die Mods für Claude Code angesehen, kleine Erweiterungen fürs Terminal. Eine zeigt den Token-Stand samt Siebentage-Fenster und wechselt ab 80 Prozent auf hellrot, ab 90 auf dunkelrot. Das beantwortet am Mittag die Frage, ob der Nachmittag noch reicht. Eine zweite lässt einen nach einem Lauf durch die geänderten Dateien blättern.
Sandro: Cloudflares Security-Skill, in einen Workflow gewickelt
Sandro Kneubühl hat den Security-Audit-Skill von Cloudflare ausprobiert, mit einer einleuchtenden Überlegung: Wer Traffic in dieser Menge sieht, kennt die Lücken, die immer wieder auftauchen. Damit man ihn zweimal benutzt und nicht einmal, hat er ihn in einen wiederverwendbaren Workflow gepackt, mit einer kleinen Oberfläche davor.
Getestet hat er in zwei Projekten, in welcher selbst involviert ist, weil er dort beurteilen kann, ob eine Meldung stimmt. Nichts Kritisches, ein paar Punkte zum Nachsehen. Teuer war der Lauf über ein grosses Repository: eine Stunde, dann war das Token-Budget leer.
Yannick: Agenten, die einen Neustart überleben
Yannick Bättig hat Pi Durable mitgebracht, Anfang Oktober erschienen und ausdrücklich experimentell. Der Agent hängt dort nicht am eigenen Terminal, sondern läuft entfernt, und beliebig viele Clients verbinden sich auf dieselbe Unterhaltung.
Interessant ist die unangenehme Frage, die das Framework beantwortet: Was passiert, wenn der Prozess stirbt? Jede Aufgabe setzt vorher einen Checkpoint, ein neuer Prozess öffnet denselben Speicher und macht weiter. Sobald eine Webanwendung ihren Nutzerinnen und Nutzern eigene Agenten anbieten soll, geteilte Sessions inklusive, wird das relevant.
Nejc: Der Fernseher, der plötzlich schnell war
Der kleinste Beitrag der Runde, und der mit dem grössten Gelächter. Nejc Koporec hat seinen Fernseher ausgemistet: vorinstallierte Apps, die niemand benutzt, Werbekacheln im Menü, eine Oberfläche, die beim Starten hängt.
Über die Entwickleroptionen hat er den Debug-Zugang eingeschaltet, sich vom Rechner verbunden und ein paar Scripts laufen lassen, die den unnötigen Teil entfernen. Was übrig bleibt, startet schnell und tut, was es soll. Weiteres ist auf Github unter CleanyourTV zu finden.
Fazit
Sieben Beiträge, und kein einziger drehte sich um ein Modell. Geschraubt wurde an der Umgebung: ein Zugang in eine Mac-App, eine Struktur für Ticketdaten, ein Rückkanal in Slack, eine Anzeige fürs Token-Budget, ein Wrapper um einen fremden Skill, ein Framework für Agenten, die weiterlaufen. Und ein Fernseher, der wieder tut, was er soll.
Das Prompten ist dabei leiser geworden. Was bleibt, ist die unbequemere Arbeit: Daten dorthin legen, wo ein Agent sie findet, und eine Stelle schaffen, an der ein Mensch antworten kann. Die zweite fehlt noch, und sie stand in dieser Runde zweimal auf dem Tisch.
Referenzen
- Lunch & Learn: Nachgebaut statt abonniert
- Lunch & Learn im Oktober: Das Ticket holt sich den Agenten
Lassen Sie uns darüber sprechen
Vieles von dem, was hier steht, hat als Frage aus einem Projekt angefangen und einen Nachmittag zum Ausprobieren gebraucht. Wenn Sie so eine Frage mit sich herumtragen, schauen wir sie gerne mit Ihnen an, bevor daraus ein Projekt wird. Das erste Gespräch ist immer kostenlos.
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